Ein persönliches Plädoyer für Milongas mit Tandas und Cortinas

Ein persönliches Plädoyer für Milongas mit Tandas und Cortinas

Ich bin begeisterte Anhängerin des klassischen Stils auf einer Milonga.

Tandas (d.h. 4 Stücke eines Orchesters, ggf. mit dem gleichen Sänger und idealerweise aus einem Jahr) ordnen mein Erleben, ich kann entscheiden, wann ich tanzen will.
Wenn eine Tanda von meinem Lieblingsorchester kommt, kann ich mich entsprechend verabreden, um mit meinem favorisierten Tänzer diese Stücke zu genießen.
Es macht für mich einen Unterschied, ob ich einen dramatischen, vokalen Caló oder einen rhythmischen instrumentalen d’Arienzo tanze.
Ich möchte mich darauf verlassen können, das die Stimmung die nächsten drei oder vier Stücke so bleibt und sich nicht plötzlich durch ein völlig anderes Orchester ändert.

Cortinas strukturieren meinen Abend in wunderbarer Art und Weise.
Zum einen sind im Idealfall alle Tangueros und Tangueras zur gleichen Zeit wieder „verfügbar“.
An einem nicht-strukturierten Abend passiert häufig folgendes: Man schafft es irgendwann, seinen Tanzpartner/in höflich zu verabschieden, aber ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt ist der gewünschte nächste Tanzpartner/in nicht „verfügbar“, weil er/sie gerade tanzt.

Weiterhin kann eine Tanda mit einem neuen Partner/einer neuen Partnerin die Konzentration beleben, die bei mir schwindet, wenn ich längere Zeit mit einem Menschen tanze

Bei einer sozialen Milonga geht es nicht ausschließlich um die Maximierung des eigenen Spasses, sondern um einen Ausgleich der unterschiedlichsten (Tanz-)Interessen der Besucherinnen und Besucher dieser Gemeinschaft auf Zeit.
Um für alle Besucher/innen gleiche Ausgangsbedingungen zu schaffen, finde ich Cortinas sehr sinnvoll, und wenn man einmal eine Tanda aussetzt, dann ist es für einen begrenzten Zeitraum.

Mit diesem Beitrag möchte ich dafür werben, über den Wert der Struktur durch Tandas und Cortinas nachzudenken, falls noch nicht geschehen.
Ich empfinde diese Struktur nicht als eine Einschränkung meiner persönlichen Freiheit, sondern als sinnvolle Sache, die untrennbar mit dem Tango Argentino verknüpft ist.
Wenn es Menschen gibt, die lieber gerne weiterhin eine Milonga ohne Tandas und Cortinas besuchen wollen, dann sollen sie das gerne tun.
Allerdings würde  eine deutliche Ankündigung der Milonga (… in Tandas mit Cortinas bzw. OHNE) helfen, Missverständnisse bei den Besucherinnen und Besuchern zu vermeiden.

Hier noch ein Link zu der Seite Tanda of the week, auf der man sehr schöne Anregungen bekommt, sowohl als Tänzerin als auch als DJane!