Mirada und Cabeceo – Wie fordere ich für eine Tanda auf?

Mirada und Cabeceo – Wie fordere ich für eine Tanda auf?

Cabeceo – best practice for invitation – eine bewährte Methode für das Auffordern

Der Cabeceo ist die gegenseitige Einladung und Aufforderung zum Tanzen mittels Augenkontakt, für viele Tänzer-/Innen die schönste, eleganteste und rücksichtsvollste Form der Aufforderung. Für viele aber auch eine mysteriöse, missverständliche und nicht mehr zeitgemäße Tradition aus einem fernen Kontinent und einer anderen Kultur, die hierzulande oftmals Gegenstand hitziger Diskussionen ist. Gerade deswegen mag eine genauere Betrachtung und Erklärung des Cabeceos hilfreich sein und zur Klärung einiger Missverständnisse und vermeintlicher Probleme beitragen.

Im Sinne einer vereinfachten Lesbarkeit werde ich nachfolgend von einem Tänzer in der führenden Rolle und einer Tänzerin in der folgenden Rolle ausgehen, wobei selbstverständlich sämtliche Kombinationen möglich sind und gegebenenfalls sinngemäß verstanden werden sollten.

Wie funktioniert der Cabeceo jetzt genau?

Eine korrekte Aufforderung mittels Cabeceo besteht aus der Mirada, dem Blickkontakt und dem Cabeceo, der eigentlichen Aufforderung durch leichtes Nicken.

Mirada

Zu Beginn steht die Mirada – der Blickkontakt. Eine Tänzerin sucht sich einen oder mehrere Tanzpartner aus und versucht Augenkontakt mit diesen herzustellen. Auch möglich ist das „scannen“ oder Überfliegen der Umgebung, um einen Tänzer zu bemerken, welcher seinerseits versucht Augenkontakt mit der Tänzerin aufzunehmen. Beide Rollen haben nun drei Möglichkeiten nachdem man festgestellt hat, dass jemand versucht Augenkontakt aufzunehmen:

  • Möchte man aus einem bestimmten Grund nicht tanzen, reagiert man einfach nicht darauf und plaudert weiter mit seinem Sitznachbarn, oder schaut einfach woanders hin.
  • Möchte man im Prinzip schon tanzen, aber nicht gerade zu der gespielten Musik, gibt man ein Zeichen für gerne, aber später.
  • Ansonsten reagiert man durchaus auch noch nach einer kurzen „Reaktions-“ und/oder „Nachdenkphase“ durch Aufnehmen des Blickkontaktes. Besonders nett ist das natürlich mit einem freundlichen Lächeln.

Cabeceo

Finden sich die Augen schlussendlich erfolgreich, fordert der Tänzer mittels einer leichten Nickbewegung des Kopfes in Richtung Tanzfläche zum Tanz auf. Wenn die Tänzerin die Aufforderung akzeptieren möchte, antwortet sie mittels Lächeln und/oder leichtem Nicken. Fand der Augenkontakt eher zufällig oder unbeabsichtigt statt, kann auf den Cabeceo aber auch nicht reagiert und weggeschaut werden. Wurde der Cabeceo hingegen bestätigt kommt der Tänzer zur Tänzerin und holt sie von ihrem Platz ab, indem er zu ihr hingeht und sie anschließend auf die Tanzfläche bittet (und nach dem Tanz auch dort hin wieder zurück begleitet) Diese Art der Aufforderung hat viele Vorteile gegenüber dem Auffordern durch direktes Fragen:

  • Der größte Vorteil ist wohl der, dass eine Aufforderung ausschließlich durch gegenseitiges Einvernehmen zu Stande kommen kann. Beide müssen miteinander tanzen wollen, sonst kann es zu keinem Cabeceo mit Bestätigung kommen.
  • Daher kann sich die Tänzerin aussuchen, von wem sie aufgefordert werden möchte. Natürlich hat der Tänzer das gleiche Recht sich auszusuchen, wen er mittels Cabeceo auffordert.
  • Die unangenehme Situation wird vermieden, dass man aufgefordert wirden, wenn man nicht tanzen möchte. Daran anschließend muss die Tänzerin noch zwischen höflichkeitsbedingter Zusage oder möglicherweise enttäuschender Abweisung des Auffordernden wählen.
  • Der „Gesichtsverlust“ cora Publikum wird vermieden. Fordert ein Tänzer eine Tänzerin persönlich durch Ansprechen aus einer Gruppe von Tänzerinnen heraus auf und lehnt diese die Aufforderung ab, so kann dieser keine der in der Nähe sitzenden Tänzerinnen mehr auffordern. Keine Tänzerin möchte verständlicherweise als „2. Wahl“ gefragt werden.
  • Der Cabeceo ermöglicht eine Tänzerin auch aus einem Gespräch heraus aufgefordert zu werden, ohne das Gespräch stören oder unterbrechen zu müssen. Nimmt eine Tänzerin während ihres Gesprächs beiläufig einen Tänzer wahr, der Blickkontakt aufzunehmen versucht, kann sie das Gespräch zu Ende bringen und anschließend den Blickkontakt erwidern, oder den Versuch kurz registrieren, aber weiter reden.

Allerdings kann es auch zu Missverständnissen kommen, wenn die Beteiligten sich über die richtige Ausführung nicht sicher sind. Vermeintliche Probleme dabei führen bei einigen Tänzer-/Innen dann zur Ablehnung des Cabeceos. Hier eine Auswahl der gängisten Schwierigkeiten:

Gerade jüngere Tänzerinnen begehen manchmal den Fehler, dem gerade zustande kommenden Blickkontakt gleich wieder auszuweichen. Hier ist für einen kurzen Moment etwas Mut gefragt und der angebotene Blickkontakt des Tänzers für ein paar Sekunden zu erwidern, damit dieser Zeit hat, den Cabeceo zu machen. Oder sich zumindest im Rahmen der Tangoszene darüber im Klaren zu sein, dass dieses von einem Mann öfter und länger angesehen zu werden kein „Anstarren“ oder eine „perverse Anmache“ ist, sondern einfach der Versuch, Blickkontakt für einen Cabeceo herzustellen.

Es ist für den Cabeceo auch nicht notwendig, den ganzen Abend lang herumzuschauen. Vorausgesetzt, es werden die Tangos in Tandas mit oder ohne Cortinas strukturiert gespielt, so ist der Zeitpunkt nach blickkontaktsuchenden Tänzer-/Innen Ausschau zu halten, lediglich während der Cortina und der ersten Minute des ersten Tangos der Tanda. Ein überwiegender Großteil der Aufforderungen sollte innerhalb dieser kurzen Zeitspanne stattfinden.

Ein oft vorgebrachtes Argument gegen den Cabeceo ist, dass Tänzerinnen glauben, nicht mehr „gefahrlos“ herumschauen und/oder jemanden ansehen zu können, ohne von irgendwelchen Tänzern ungewollt durch plötzliches Zunicken aufgefordert zu werden. Dies sollte nicht passieren können, da der Cabeceo des Tänzers auch von der Tänzerin bestätigt werden muss. Es ist auch kein Problem sich gegenseitig per Augenkontakt zu begrüßen – Augenkontakt alleine führt noch zu keinem vollständig ausgeführten Cabeceo.

Verwechslungen beim Auffordern auf größere Distanzen können vorkommen, stellen aber kein Problem dar. Wenn der Tänzer bereits beim Cabeceo bemerkt, dass mehrere Tänzerinnen nickend zustimmen, kann er durch Zeichen schon vorab versuchen klarzustellen, wer genau gemeint war. Ansonsten werden Verwechslungen dadurch beseitigt, dass der Tänzer die Tänzerin von Ihrem Platz abholt. Die Tänzerin sollte deswegen nicht dem Tänzer auf halber Strecke entgegenkommen. Dies könnte zu einer schwierigen Situation führen, wenn eigentlich eine andere Tänzerin aufgefordert wurde. Unter Umständen kann es vorkommen, dass zwei Tänzer gleichzeitig die gleiche Tänzerin aufgefordert haben, was sich diese dann hoffentlich zivilisiert untereinander ausmachen.

Tatsächlich ein Problem ist allerdings schlechtes Sehvermögen. Es ist diesbezüglich nicht ratsam auf Sehhilfen wie Brillen oder Kontaktlinsen sofern vorhanden zu verzichten, wenn die Blickkontakte von Tänzern auf einigen Metern Entfernung nicht mehr wahrgenommen werden können.

Zu guter Letzt an dieser Stelle auch ein Apell an Tänzer und Tänzerinnen einen gemiedenen Blickkontakt und/oder entsprechende Körpersprache (Abwenden, Wegschauen, in der Handtasche verschwinden, etc.) wahrzunehmen und auch zu akzeptieren.

Und wenn sich jetzt die eine oder andere Tänzerin fragt warum sie von ihrem Wunschpartner trotz freundlichem Anlächeln nicht aufgefordert wird, dann hilft vielleicht die Seite „Warum tanzt er/sie nicht mit mir“ weiter… 🙂

Auf ein erfolgreiches Einladen und Auffordern!

„Augen auf, der Cabeceo ist da!“